Sprossen selber ziehen

Sprossen selber ziehen ist wahnsinnig einfach. Gott sei Dank, denn dass Sprossen unglaublich gesund sind, weiß mittlerweile jedes Kind. Was für eine unglaubliche Bereicherung sie aber nicht nur gesundheitlich, sondern auch kulinarisch darstellen, ist den Wenigsten bewusst.

Sprossen: gesund und günstig

Um das ganze Jahr über frische Sprossen selber ziehen zu können, braucht man lediglich Keimsaat, ein passendes Gefäß und Wasser.

Kein Wunder also, dass Dr. McKay, Professor für Ernährung an der Cornell University in Ithaca, bereits während des Zweiten Weltkriegs einen Artikel zum kleinen Power-Gemüse verfasste. Schließlich wachsen sie bei jedem Klima, kommen dem Nährstoffgehalt von Fleisch gleich, sind in drei bis fünf Tagen reif, können zu jedem Zeitpunkt gesät werden, brauchen weder Boden noch Sonne, verursachen keine Abfallproduktion beim Anbau und sind nach ihrer Reife sofort genießbar. Außerdem sind die Keimsaaten bei richtiger Lagerung (luft- und wasserdicht in einem dunklen, kühlen, trockenen Raum) über viele Jahre hinweg haltbar und büßen dabei kein bisschen ihrer Keimfähigkeit ein.

Aufgrund ihrer Beschaffenheit und außerordentlichen Ergiebigkeit können sie zudem auf kleinstem Raum gelagert werden und verhelfen so auch Personen, die über keinen eigenen Garten, beziehungsweise nur über eine begrenzte Wohnfläche verfügen, zur regelmäßigen und gelungenen Ernte. Lediglich unter zehn Grad sollten die Temperaturen nicht fallen, da die Sprossen sonst Kälteschäden davontragen können. Die meisten Sprossenarten wachsen aber sogar im Kühlschrank weiter. Zwar deutlich langsamer aber immerhin. Ein weiteres Argument für die eigene Sprossenzucht ist übrigens der Preis. Keimsaaten sind unglaublich günstig und dabei wahnsinnig ergiebig. Auch hier gilt: Wer in größeren Mengen einkauft, spart auf lange Sicht eine Menge Geld.

Sprossen-selber-ziehen-leicht-gemacht

Was Sprossen gesund macht

In den winzigen Keimlingen stecken jede Menge bioverfügbare Mineralstoffe, Vitamine, Enzyme, aktive Antioxidantien und sekundäre Pflanzenstoffe. Außerdem sind sie so frisch, dass sie noch während des Verzehrs weiterwachsen, kurbeln den Stoffwechsel an, fördern die Verdauung, entlasten Darm und Leber und aktivieren sowohl Energieproduktion als auch sämtliche Reparaturmaßnahmen auf zellulärer Ebene. Die ernährungsphysiologisch wertvollste Keimsaat ist Brokkoli. Brokkolisprossen haben einen immens hohen Gehalt an Sulforaphan, ein sekundärer Pflanzenstoff, der als unglaublich kluger Stratege im Kampf gegen freie Radikale gilt und sogar im Kampf gegen Krebs eingesetzt wird! Die vorhandene Menge an diesem starken Antioxidans ist in Brokkolisprossen fünfzigmal höher als in Brokkoli selbst. Damit man sich das vorstellen kann: Um dieselbe Menge an Andioxidantien zu sich zu nehmen, die in 30 Gramm Brokkolisprossen stecken, müsste man fast eineinhalb Kilogramm Brokkoli essen. Faszinierend, oder?

Sprossenzucht-für-Daheim

Über Nacht zur eigenen Sprossenfarm

Wer Sprossen selber ziehen möchte, braucht kein besonderes Fachwissen. Im Gegenteil.

Das Züchten der kleinen Vitaminbomben ist kinderleicht. Vor allem dann, wenn man über passende Keimgläser oder ein Keimgerät verfügt. Natürlich reicht auch ein Schüsselchen Wasser und ein kleines Sieb – leichter tut man sich aber wie immer mit passendem Equipment. Meine persönlichen Favoriten sind praktische Keimgläser (tatsächlich aus Glas, nicht aus Kunststoff), die in jedem gut sortierten Bioladen oder Reformhaus sowie im Netz zu haben sind. Am besten finde ich die hochwertigen Sprossengläser von Eschenfelder, die es im praktischen Set inklusive Abtropf-Gestell gibt.

Die Keimgläser werden einfach mit Wasser und ein bis zwei Löffel (je nach Größe der Gläser) Keimsaat befüllt und zwölf Stunden eingeweicht. Danach wird das Wasser durch den feinen Sieb-Deckel geleert, die Samen mit frischem Wasser (immer kalt!) durchgespült. Dann werden die Gläser geneigt und kopfüber auf dem praktischen Gestell platziert. So rinnt die Flüssigkeit ab, die Saat bleibt aber zu jedem Zeitpunkt ausreichend befeuchtet. Diesen Vorgang wiederholt man je nach Keimzeit (zumeist drei bis fünf Tage) alle zwölf Stunden einmal.

Das Einweichen/Quellen der Samen findet dabei aber nur einmal statt, in stehendem Wasser befinden sich die Samen also nur in den ersten zwölf Stunden. Danach werden sie nur noch gespült. Sobald die Sprossen reif sind, werden sie geerntet und in einem verschließbaren, sauberen Glas im Kühlschrank aufbewahrt. Dort halten sie in der Regel problemlos einige Tage. Oberstes Gebot bei der Sprossenzucht: Sauber arbeiten! Die Gläser müssen immer komplett sauber sein, genauso wie die Behälter zur Aufbewahrung. Achtet stets darauf, nicht mit verschmutztem Besteck oder den bloßen Fingern in die Gläser zu fassen. Das ist aber schon das Einzige, worauf ihr aufpassen müsst, weil viel mehr müsst ihr auch gar nicht wissen, um mit Sprossen gesund, einfach und günstig durch den Tag zu kommen.

Sprossen selber ziehen

Sprossen selber ziehen ist kinderleicht, man muss nur ein paar wichtige Punkte beachten. Oberstes Gebot bei der eigenen Sprossenzucht ist dabei, wie bereits erwähnt, vor allem eines: Sauberkeit!

 

  1. Wer Sprossen selber ziehen möchte, muss zuerst die Keimsaat in die Gläser geben und diese mit Wasser auffüllen.
  2. Die Samen je nach Quellzeit quellen lassen.
  3. Das Wasser abgießen und mit frischem Wasser durchspülen.
  4. Kopfüber und etwas schräg auf einem passenden Gestell platzieren.
  5. Je nachdem, wie oft die Sprossen gespült werden müssen, täglich mehrmals mit Wasser spülen und wieder schräg kopfüber auf dem Gestell platzieren.
  6. Sobald die jeweilige Keimzeit verstrichen ist, ein letztes Mal spülen, ernten und in ein sauberes, verschließbares Gefäß geben.

 

Bei richtiger Aufbewahrung halten sich die Sprossen im Kühlschrank problemlos etwa drei Tage. Man sollte sie aber am besten möglichst frisch genießen.

Sprossen selber ziehen Infografik Keimzeiten

Meine liebsten Sprossenarten: Quell- und Keimzeiten

ALFAFA-SPROSSEN:

Alfafa-Sprossen (Luzerne) selber ziehen ist supereinfach. Sie sind die perfekte Sprossenart für erste Keimversuche. Aus einem Löffel winziger Samen wird ein beeindruckender Berg knackig-frischer Sprossen. Perfekt als Salat-Topping oder auf einem leckeren Käsebrot. Alfafa-Sprossen sollten immer mindestens fünf bis sieben Tage keimen, damit sich das enthaltene Phytin ausreichend abbauen kann. Die Sprossen schmecken frisch, knackig und leicht nussig.
Tägliches Wässern/Spülen: 1x

ADZUKI-SPROSSEN:


Adzuki-Sprossen sollten vor dem Verzehr immer kurz (etwa fünf Minuten) blanchiert werden, um das giftige Phasin abzubauen. Sie schmecken hervorragend nussig und etwas süßlicher und leichter verdaulich als andere Bohnenarten.
Tägliches Wässern/Spülen: 2x

Keimzeit-Adzuki-Sprossen-Quellzeit

BOCKSHORNKLEE-SPROSSEN:


Bockshornklee-Sprossen regen die Verdauung an, stärken die Leber und enthalten sogenannte Phytohormone, die erfolgreich im Kampf gegen Menstruations- und Wechseljahrbeschwerden eingesetzt werden. Ab dem vierten Tag Keimzeit sollten die Sprossen unbedingt geerntet werden, da sie sonst bitter werden. Bockshornklee-Sprossen schmecken würzig und eignen sich beispielsweise hervorragend zum Aufpeppen von Dressing oder Marinade.
Tägliches Wässern/Spülen: 2x

Keimzeit-Bockshornklee-Quellzeit-Sprossen

BROKKOLI-SPROSSEN:


Brokkoli-Sprossen sind der Superstar in der Sprossenfamilie. Sie sind ein erfolgreiches Mittel zur Bekämpfung freier Radikale und werden aufgrund ihrer hohen ernährungsphysiologischen Bedeutung sogar im Kampf gegen Krebs eingesetzt. Geschmacklich erinnern sie ein wenig an Kresse, sind aber deutlich milder.
Tägliches Wässern/Spülen: 2x

Quellzeit-Sprossen-Brokkoli-Keimzeit

GERSTEN-SPROSSEN:


Gersten-Sprossen sind besonders süß, etwas nussig und schmecken ein bisschen nach Honig. Kein Wunder, dass sie sich hervorragend zum Garnieren verschiedenster Süßspeisen eignen. Aber auch beim Backen von Brot werden sie gerne verwendet. Ob Müsli, Gebäck, Joghurt oder Pudding – Gersten-Sprossen machen stets eine gute Figur.
Tägliches Wässern/Spülen: 3x

Keimzeit-Gersten-Sprossen-Quellzeit

MUNGOBOHNEN-SPROSSEN:

Mungobohnen sind jene Sprossen, die hierzulande als Sojasprossen gehandelt werden. Sie sind der Sojabohne auch sehr ähnlich, sehen aber anders aus und sind deutlich kleiner. Mungobohnen-Keimlinge eignen sich hervorragend zum Kochen und sind fixer Bestandteil etlicher asiatischer Gerichte. Im Geschmack sind sie würzig frisch und gelten als wahrer Jungbrunnen.
Tägliches Wässern/Spülen: 2x

Keimzeit-Mungobohnen-Quellzeit-Sprossen

RADIESCHEN-SPROSSEN:

Radieschensprossen sind mein persönlicher Favorit. Sie sind würzig-frisch, scharf, knackig und schmecken einfach hervorragend. Zudem kurbeln sie den Stoffwechsel an, bringen die Entgiftung in Gang und machen auch optisch ordentlich was her.
Tägliches Wässern/Spülen: 1x

Keimzeit-Radieschen-Sprossen-Quellzeit

RETTICH-SPROSSEN:

Rettich-Sprossen sind aufgrund der enthaltenen Senföle besonders scharf und würzig. Diese helfen bei Erkältungen, die Atemwege zu befreien, regen die Verdaung an und gelten zudem als krebsvorbeugend. Am besten schmecken sie auf Brot, Käse, Eiern und natürlich im Salat.
Tägliches Wässern/Spülen: 1x

Keimzeit-Rettich-Sprossen-Quellzeit

RUCOLA-SPROSSEN:

Rucola-Sprossen selber ziehen ist ebenfalls kinderleicht und sie schmecken einfach großartig würzig. Außerdem wachsen sie sehr, sehr schnell, regen Verdauung und Stoffwechsel an und eignen sich hervorragend als pikantes Topping auf Salaten, Saucen, im Dressing oder als das gewisse Extra auf belegten Broten. Das spezielle Aroma von Rucola erfreut sich auch in Sprossenform einer immensen Beliebtheit.
Tägliches Wässern/Spülen: 2x

Keizeit-Rucola-Sprossen-Quellzeit
2 Comments
  • […] Meine liebsten Greens sind Brombeerstrauchblätter und Radieschengrün. Erstere schmecken schön herb, runden meine Smoothies wunderbar ab und bringen meine (leider gerne mal etwas träge) Verdauung super in Schwung. Radieschengrün mag ich deshalb so gerne, weil es so schön mild ist. Eine ideale Ergänzung besonders herber Smoothies. Was ich auch sehr mag sind Sprossen. Einfach aufgrund ihres außergewöhnlichen gesundheitlichen Nutzens und weil sie unerreicht günstig, vielseitig einsetzbar, geschmacklich top und easy in der Züchtung sind. Kein Wunder also, dass sie sowohl in meiner Küche als auch auf dem Sweet Trolley einen ganz besonderen Platz einnehmen. […]

  • […] Hipster-Kreation klingt, hat tatsächlich jahrhundertelange Tradition und wird nicht umsonst als “Super Food” gehandelt. Wenngleich mir dieser Begriff irgendwie immer ein wenig sauer aufstößt, ist es doch im […]

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