Seejungfrau Jois

„Dining with a view“ bekommt auf der Terrasse der Seejungfrau Jois eine völlig neue Bedeutung. Nein, ein völlig neues Level! Leider war es für ein spektakuläres Outdoor-Dinner etwas zu windig. Man bot uns aber umgehend an, die atemberaubende Aussicht zumindest beim Aperitif zu genießen. Für die Mahlzeit nahmen wir anschließend im gemütlichen Wintergarten Platz. Dort ist der Ausblick übrigens ebenfalls nicht zu verachten. Sogar so wenig zu verachten, dass er ein sprossenloses Panoramafenster verdient hätte.

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Einen Aperol Spritzer, zwei kleine Bier und einen Hugo später, pilgerten wir also entspannt von der Terrasse zu unserem Tisch im Wintergarten. Dort ging es dann recht schnell ans Eingemachte. Dieser Ausdruck wird dem raschen, unkomplizierten und überaus freundlichen Service in Wahrheit aber alles andere als gerecht:

Innerhalb weniger Minuten brachte man uns feinste Aufstriche, getrocknete Tomaten und Oliven. Dazu gab’s hervorragendes Bio-Olivenöl aus den griechischen Gärten des umtriebigen Neusiedlers Rudi Treiber. Ein wahres Gedicht und perfekt dazu geeignet, dem ersten Hungergefühl Herr zu werden. Wohlgemerkt, ohne sich den Appetit zu verderben.

Seejungfrau-Jois

Das Auge isst mit

Vom fruchtigen Beerensalat mit Maracujadressing und Ziegenkäse – eine fantastische Kombination erfrischender Geschmackskomponenten, die lediglich einen winzigen Hauch weniger Säure vertragen hätte – über eine äußerst ambitionierte Rucola-Salat-Interpretation mit hervorragendem Thunfisch, Eierschwammerl, Wassermelone und einem Schuss Wodka (ich persönlich hätte dem etwas zu ambitionierten Thunfisch ein paar hauchdünne Scheiben Osso Collo vorgezogen), über umwerfenden Zander im Sommerkleidchen mit Risotto und feinstem Beiried auf Eierschwammerl mit jungem Sommergemüse und hausgemachten Gnocchi, war jedes einzelne Gericht nicht nur eine Gaumenfreude, sondern auch optisch ein wahrer Hochgenuss.

Dass in der Küche großer Wert auf Liebe zum Detail gelegt wird, spiegelte sich in jedem einzelnen der großartigen Gerichte wider. Diese bestimmte Finesse zieht sich aber leider nicht durchs gesamte Lokal. Während das Interieur im Restaurant wunderbar leichtfüßig, ungezwungen und dennoch gekonnt edel daherkommt, fehlt es der Terrasse beinahe komplett an passender Dekoration. Schade, der wunderbar dekadente, barocke Luster über der Bar sorgt bei all der gelungen puristischen Beachbar-Atmosphäre für einen fabelhaften Stilbruch. Hier könnte man ohne sich umzudrehen einhaken, und zu Ende bringen, was angefangen wurde. Die phänomenale Aussicht macht aber einiges wett. Und vielleicht lag die karge Deko an diesem Tag auch einfach nur am starken Wind? Sei’s drum.

Süßes in der Seejungfrau Jois

Ein Stück nicht zu süße Limetten-Tarte mit frischer Minze und Himbeeren, eine Melange, dreierlei Fruchtsorbet auf Schwarztee-Schokoladen-Brösel (absolut umwerfend, besonders in der Geschmacksrichtung Marille!) und einen kleinen Verdauungs-Spaziergang später, traten wir dann satt und glücklich die Heimreise an.

Seejungfrau Jois-Dreierlei-Sorbet-Crumble
Limetten-Tarte-Seejungfrau Jois

Fazit: Harmonische Küche, die in ihrer Ambition vielleicht manchmal ein bisschen übers Ziel hinausschießt. Preislich aber zu keinem Zeitpunkt! Auch wenn manch Kritiker anderes behauptet. Nur wenige der Gerichte lagen über 20 Euro. Jedes, das wir gekostet haben, war stimmig, ausgeglichen und authentisch in allen Facetten. Die Seejungfrau Jois ist wirklich einen Besuch wert. Wir kommen also gerne wieder.

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