Feigen & Vergänglichkeit

Während der Herbst immer mehr Platz in der Landschaft einnimmt, scheint sich der Sommer nun endgültig verabschiedet zu haben. Buntes Laub, dicke Socken, Strickcardigans und traumhaft schöne Spaziergänge in farbenprächtiger Umgebung. Wer meine Beiträge hier schon etwas länger verfolgt, hat bestimmt schon mitbekommen, dass ich die Jahreszeiten liebe. Jede einzelne für sich, ganz besonders aber den Herbst und den Wechsel der Jahreszeiten selbst. Was für andere nervige Anzieh-Probleme verursacht und eine verfrühte Sommer-/Winterreifen-Debatte auslöst, fasziniert mich stets zutiefst.

Feigen-Salatkranz-Rezept

“Seasons don’t fear the reaper, nor do the wind, the sun or the rain”

Blue Öyster Cult

Einer Jahreszeit beim Sterben zuzuschauen, während eine andere wiederaufersteht hat für mich einfach etwas wahnsinnig Tröstliches. Ich weiß nicht, ob es an der unterstrichenen Natürlichkeit der Vergänglichkeit selbst liegt, die mir so oft im Leben schon Schwierigkeiten bereitet hat oder aber einfach an der eng damit verknüpften Aufforderung end-lich zu leben. Hier, jetzt und volle Kraft voraus. So schnell oder langsam, wie gerade nötig und so intensiv wie nur irgendwie möglich.

Honig, Milch & Spagetti aus dem Packerl

Wenn ich in meinem bisherigen Leben etwas gelernt habe, dann, dass die intensivsten Lebensmomente stets unweigerlich mit gewissen Düften und Geschmäckern verbunden sind. Ich erinnere mich noch sehr gut an die heiße Milch mit Honig und Butter, die meine Mutter mir als kleines Kind immer gemacht hat, wenn ich krank war. An die legendären „Wutzinudeln“ meiner Oma, wenn sie mich nach einem unnötigen Streit wieder aufmuntern wollte und an die wahrscheinlich tausenden und abertausenden Leberpasteten-Semmeln, die ich vor Glück jauchzend und ganz in meinem Element im Wirtshaus meiner Großeltern direkt in der Gaststube gefrühstückt habe, während ich einem in den Fremdenzimmern wohnenden Gastarbeiter die Haare gekämmt und gemeinsam mit ihm die bunten Illustrierten durchgeblättert habe.

Ich erinnere mich aber auch an das fürchterliche Frankfurter Würstel mit einem ekelhaften Knubbel an der Haut und die lieblos auf den Teller gewürfelten Erbsen, die mir meine Mama in der Mikrowelle aufgewärmt hat, als ich das erste und letzte Mal in meinem Leben eine schlechte Note auf eine Deutschschularbeit kassiert habe und an den schalen Geschmack versalzener Spaghetti Carbonara aus dem Packerl, die ich gegessen habe, als mein damaliger Freund mich verlassen hatte. Ich weiß, dass durchzechte Festivals nach Dosenbier und getrockneten Würstchen schmecken, dass es bei meinem Geburtstag immer Tsatsiki und Gegrilltes gibt und dass heimliche Naschorgien an der Tankstelle immer nach Erdnüssen geschmeckt und nach meinem Papa gerochen haben.

Essen gehört zum Leben wie der Wechsel unserer Gefühle und eben jener der Jahreszeiten. Was gestern war ist heute vielleicht gestorben und bringt morgen etwas völlig Neues hervor. Höchste Zeit also, sich vom Sommer zu verabschieden. Von sonnigen Tagen am Badesee, Rotwein im Freien, Wassermelone am Pool und den edelsten aller Sommerfrüchte: Feigen.

Feigen-Salatkranz

“Wer nie sein Brot mit Tränen aß, der weiß einen Schas.“

Christine Nöstlinger

Herbstsalat-Rezept-Feigen

Herbstlicher Salatkranz mit Feigen

10 Minuten

1 Person

Zutaten:

  • 2 Handvoll Vogerlsalat
  • 1 Feige
  • 2 Datteln
  • ein paar Paranusskerne
  • etwas Ziegenkäse
  • Balsamicocreme

Zubereitung:

Für den Salatkranz zuerst den Salat waschen und in Kranzform auf einem Teller drapieren. Dann die Feige vierteln, die Datteln fein hacken und den Ziegenkäse würfeln. Alles auf dem Salat verteilen und zuletzt ein paar Paranusskerne darüber streuen. Mit Balsamicocreme servieren.

Salatkranz-Rezept-Foodporn-Feigen-Porn
Salatkraenzchen-Sweet-Trolley-Food-und-Philosophie

Dazu passt hervorragend eine ordentliche Scheibe saftiges Dinkelvollkornbrot!

2 Comments
  • Jenni

    25. September 2017 at 7:51 Antworten

    Liebe Katharina,

    was für ein unglaublich schön geschriebener Artikel!
    Obwohl ich eigentlich vom Bild (Feigen!) angezogen wurde und hier gelandet bin, hat mich doch letzten Endes die poetische Sprache hier festgehalten. Danke dir für deine Erinnerungen und die Worte, die einen selbst gleich ein wenig mit auf die Reise in die eigene Vergangenheit und die Rolle des Essens dort genommen haben. Es war eine Freude!

    Liebe Grüße
    Jenni

    • Katharina

      25. September 2017 at 14:43 Antworten

      Liebe Jenni!

      Vielen Dank für deinen reizenden Kommentar! Ich freu mich immer sehr darüber, wenn sich jemand die Mühe macht und meine etwas längeren Texte liest. Vor allem natürlich, wenn sie dann auch noch gefallen und beim Leser/der Leserin so ankommen, wie ich es mir gewünscht hatte. <3

      Liebe Grüße
      Katharina

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