Planetary Health Diet

Unsere Ernährung und damit auch der Umgang mit Lebensmitteln birgt bekanntermaßen einiges an Verbesserungspotenzial. Im Jahr 2017 lag beispielsweise der Pro-Kopf-Verbrauch von Fleisch laut Statistik Austria in ganz Österreich bei 94,8 Kilogramm pro Person. Davon fielen 63,4 Kilogramm ausschließlich auf den menschlichen Verzehr. Das sind etwa 170 Gramm Fleisch täglich. Laut der “Planetary Health Diet” bei einer empfohlenen Kalorienzufuhr von 2.500 kcal/Tag ganze 136 Gramm zu viel.

Und das, obwohl tierische Produkte – allen voran Fleisch – in größeren Mengen nicht nur gesundheitliche Folgen haben können, sondern laut einer aktuellen Studie des Institute for Agriculture and Trade Policy (IATP) auch als die Lebensmittel mit der höchsten Klimabelastung gelten.

Um genau zu sein, sind die fünf weltweit größten Fleischproduzenten – der brasilianische Konzern JBS sowie die US-amerikanischen Firmen Tyson, Cargill, Dairy Farmers of America und Fonterra – verantwortlich für mehr Treibhausemissionen als die wesentlich bekannteren Klimasünder BP, ExxonMobil und Shell. Ja, die ausgestoßenen Emissionen der 20 größten Fleischbetriebe der Welt übersteigen sogar jene ganzer Nationen wie beispielsweise Australien, Deutschland, Großbritannien oder Kanada.

Ernährungsempfehlungen: Planetary Health Diet

Aber nicht nur Fleisch, auch Eier erfreuen sich bei den Österreichern und Österreicherinnen einer großen Beliebtheit. So lag der Pro-Kopf-Konsum im Jahr 2017 bei 239 Stück. Das sind immerhin nicht ganz 0,7 Eier pro Tag und damit beinahe dreimal so viel, wie der Speiseplan der “Planetary Health Diet” vorsieht. Ein Speiseplan, der nicht nur uns Menschen vor ernährungsbedingten Folgeerkrankungen, sondern auch unseren Planeten retten soll. Im Fokus: Viel Gemüse, viele Nüsse und wenig Fleisch. In Zahlen sieht das *bei einer empfohlenen Gesamtkalorienzufuhr von 2.500 kcal dann in etwa so aus:

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300 Gramm Gemüse
250 Gramm Milch- und Milchprodukte
232 Gramm Getreide
200 Gramm Obst
75 Gramm Hülsenfrüchte
50 Gramm Nüsse
50 Gramm stärkehaltiges Gemüse
40 Gramm ungesättigte Fette (Koch- und Streichfette)
31 Gramm Zuckerzusatz
28 Gramm Fisch
29 Gramm Geflügel
14 Gramm rotes Fleisch (das entspricht etwa einer Scheibe Prosciutto)
13 Gramm Ei (das entspricht in etwa einem Viertel-Hühnerei der Größe M)
11,8 Gramm gesättigte Fette (Koch- und Streichfette)

Ein Ideal, das der Ernährung des österreichischen Durchschnittsbürgers alles andere als nahekommt. Im Gegenteil, die Zahlen weichen von der Realität ganz schön ab. Genau hier kommt die „Planetary Health Diet“ ins Spiel. Ein im Rahmen einer groß angelegten Studie etablierter Speiseplan, der der Auffassung von gesunder Ernährung beispielsweise der WHO sehr nahekommt, jedoch einen weiteren wesentlichen Faktor ins Auge fasst: die Gesundheit unseres Planeten.

Weiterführende Informationen zu Ernährungsempfehlungen im Summary Report of the EAT Lancet Comission

Planet & Health

“Planetary” deshalb, weil dieser neue Speiseplan erstmals auch die natürlichen Grenzen unseres Planeten berücksichtigt und “health”, weil er eben nicht nur die Schonung des Planeten selbst, sondern auch die Aufrechterhaltung des Gesundheitszustandes seiner Bewohner anstrebt:

“The food we eat and how we produce it determines the health of people and the planet, and we are currently getting this seriously wrong. (…) We need a significant overhaul, changing the global food system on a scale not seen before” , so Tim Lang, Professor der “Britains University of London” und einer der 37 Studienautoren. “More than 800 million people have insufficient food, while many more consume an unhealthy diet that contributes to premature death and disease”, so Walter Willet, Professor der Harvard University, weiter. Höchste Zeit, etwas zu verändern. Im kleinen aber auch im großen Stil:

Der Verzehr von rotem Fleisch und Zucker müsste nämlich weltweit halbiert und nur noch ein Zehntel dessen an Fleisch konsumiert werden, was aktuell als üblich gilt. Leider ein nicht nur ambitioniertes, sondern auch schwieriges Unterfangen, bedenkt man alleine die weltweit frappierende Ungleichheit, was den Zugang zu Lebensmitteln angeht. Um die Menschen dazu zu bringen, ihre Essgewohnheiten so radikal zu ändern, bräuchte es jedenfalls rege Mitarbeit von Politik und Wirtschaft. Und zwar auf allen Ebenen, so Richard Hotron, Chefredakteur des “The Lancet” Medical Journal.

Nebst der Zusammensetzung der Lebensmittel auf unserem Speiseplan und einem völlig anderen Umgang mit diesen (Stichwort: Lebensmittelverschwendung), sieht die “Planetary Health Diet” aber auch gravierende Änderungen seitens der Landwirtschaft vor. Diese müsse langfristig nachhaltiger agieren und auf fossile Brennstoffe verzichten, um so den Verlust der Biodiversität zu stoppen. Die einzige Möglichkeit, die 2050 erwarteten 10 Milliarden Erdenbewohner nachhaltig ernähren zu können.

Food-Revolution

Im Wesentlichen erinnern die Forderungen des Berichts verdächtig stark an das, was Umweltorganisationen ohnehin bereits seit Jahren predigen. Auch die Auffassung einer gesunden Ernährung deckt sich – wie bereits erwähnt – in etwa mit jener der Weltgesundheitsorganisation. Neu und wesentlich an der “Planetary Health Diet” ist jedoch, Mensch und Umwelt zum kollektiven Maßstab zu machen. Allerhöchste Eisenbahn, denn:

“Food is the single strongest lever to optimize human health and environmental sustainability on Earth. However, food is currently threatening both people and planet”, so die Autoren in ihrem Bericht. Und weiter: “Food is the single largest contributor to escalating environmental pressures”, so Johan Rockström, Executive Director des unabhängigen “Stockholm Resilience Centre” an der Universität in Stockholm, welches sich nebst der Fachzeitschrift LANDET genau wie die norwegische NGO “EAT” ebenfalls an der Konzeption und Durchführung der Studie beteiligte.

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Healthy Hedonism: Genuss mit Maß und Ziel

Bleibt lediglich die Frage: WIE? Wie schaffen wir es, all diese Ziele zu erreichen? Laut den Autoren der Studie mithilfe von fünf Strategien zur Unterstützung einer globalen Umsetzung der „Planetary Health Diet“:

  1. Inter- und nationale Bemühungen und Maßnahmen für eine gleichsam gesunde wie nachhaltige Ernährung,
  2. ein Umrüsten der globalen Landwirtschaftsindustrie mit dem Fokus auf die Qualität anstatt der Quantität von Lebensmitteln,
  3. Fördergelder für nachhaltige landwirtschaftliche Praktiken,
  4. regulierende Maßnahmen zum Management unserer Küsten-, Land- und Meeresressourcen,
  5. verstärkte Maßnahmen zur Reduktion von Lebensmittelabfällen.

Die gute Nachricht: Es gibt ihn also, den Masterplan. Verzichtet werden muss erfreulicherweise auf nichts. Grundsätzlich zumindest. Healthy Hedonism ist angesagt, gesunder Genuss mit Maß und Ziel. Im Winter einfach mal Kraut essen statt Spargel, regional einkaufen, möglichst keine Lebensmittel verschwenden und den eigenen Konsum von tierischen Produkten wenigstens im (Argus-)Auge behalten. Eigentlich gar kein so steiniger Weg, wenn man stets das Ziel vor Augen behält: die Rettung unseres Planeten und letztendlich auch die von uns selbst.

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