Ragout-Palatschinken

Bei uns landen ja, wie einige von euch sicher schon wissen, nur sehr selten Fisch und Fleisch auf dem Tisch. Wenn aber doch, dann zelebrieren wir das richtig und testen entweder etwas völlig Neues, das uns schon länger reizt oder setzen auf Altbewährtes, von dem wir wissen, dass wir davon einfach nicht genug kriegen können.

Letzteres stammt nicht selten aus dem monumentalen Rezepte-Fundus meiner Großmutter, die für mich sowieso eine der allerbesten Köchinnen überhaupt ist. Wie auch ihre Tochter, meine Mutter. Während meine Mama aber eher für gemüselastige, ausgewogene Küche und unerreicht luftige Mehlspeisen bekannt ist, hat meine Oma die böhmische Küche perfektioniert und mit ihr ein immenses Repertoire an deftigen Fleischgerichten wie Schinkenfleckerl, Schweinsbraten und tausende Varianten hochkalorischer Aufläufe und Eintöpfe mit jeder Menge Einbrenn und Schweineschmalz.

Ragout Palatschinken

Wenn es nach meiner Oma geht, ist Schmalz kulinarisch gesehen meist die Antwort auf all meine Fragen. Ab und zu liegt sie damit gar nicht so falsch, wie man meinen könnte. Wiener Schnitzel esse ich nur noch in Schmalz herausgebacken und auch meinen Palatschinken hat der ein oder andere Löffel vom österreichischen weißen Gold bisher noch nicht geschadet. Womit wir dann auch schon beim Thema wären: Ragout-Palatschinken.

Fleischpalatschinken 2.0

Fleischpalatschinken, wie ihr Fleischpalatschinken wahrscheinlich noch nie gegessen habt. Fleischpalatschinken, die nach Aussagen einer lieben Freunden schmecken, wie die Kindheit, die sie nie hatten und genauso, wie meine sich heute noch anfühlt, wenn ich an meiner Oma dabei zuschaue, wie sie Gemüse schnippelt und nebenbei noch ein paar Kilo Suppennudeln mit der Hand schneidet – feiner als gekaufte Varianten. Die Fleischpalatschinken, die das Leibgericht von beinahe meiner ganzen Familie darstellen, seit ich denken kann und die so grandios schmecken, dass unser liebster Hund Paul (der mir immer noch so sehr fehlt, dass es weh tut) einmal einen ganzen Teller (etwa 10 Prozent seines Körpergewichts) davon verputzt hat, als mein Papa sich nur mal kurz eine Semmel auftauen wollte.

Zwar stehen Fleischpalatschinken gar nicht mal so selten auf der Speisekarte etlicher Wirtshäuser und Restaurants, werden meiner Erfahrung nach aber immer mit „so lala …“-Bolognese gefüllt und können Omas Variante nicht mal im Ansatz das Wasser reichen. Nur so viel: die Palatschinken werden mit Zwiebel-Béchamelsauce überbacken. Zwiebel-Béchamelsauce. Muss ich überhaupt noch mehr sagen?

Zwiebel-Béchamelsauce selber machen

Omas 2 cents

Der Fairness halber muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass die Grundidee dieses Rezepts ja eigentlich aus dem Hause eines Nahrungsmittel-Giganten stammt und meine Oma es über die (vielen) Jahr(zehnt)e nach Gutdünken unserem Geschmack angepasst hat. Ich hab das Original übrigens noch in meiner alten Rezepte-Sammlung, mache die Palatschinken aber immer nach Omas Art, die unter anderem statt Kalbfleisch Schweineschulter oder Hühnerbrust vorsieht. Trotzdem hat der eine oder andere von euch sicher Spaß daran, einen Blick auf das Steinzeit-Überbleibsel zu werfen und vielleicht auch mal das Original auszuprobieren.

Ragout Palatschinken Rezept

Alle anderen folgen mir jetzt mal ganz unauffällig, Ragout-Palatschinken sind nämlich eigentlich recht easy herzustellen aber durchaus mit etwas Aufwand verbunden. Sonst wären sie ja auch nix für meine Oma, die war schließlich schon immer einer Frau der Tat, liebt die Herausforderung und bringt stets zu Ende, was sie anfängt:„Owa uandlich – oisom tua gscheid, Katharintscherl!“

Ragout Palatschinken Pfanne
Gscheade Leibal Schuerze
Fleischpalatschinken Rezept

Rezept für Ragout-Palatschinken nach Christa-Omas Art

2 Stunden

8-10 Palatschinken

für die Füllung:

400 g Hühnerbrust
1 Bund frische Petersilie
750 ml Wasser
1 Prise Salz
200 g Karotten
2 Petersilienwurzeln
1 Gemüsesuppenwürfel

für die Zwiebel-Béchamelsauce:

1 gehäufter Kochlöffel Schweineschmalz
3 mittlere Zwiebeln
2 gehäufte Kochlöffel glattes Mehl

für die Palatschinken:

3 Eier
etwa 500 ml Milch
ca. 300 g glattes Mehl
1 TL Salz
etwas Schweineschmalz zum Herausbacken

Zubereitung:

Zuerst das Gemüse putzen und dann mit dem Wasser, dem Gemüsesuppenwürfel und etwas Salz eine klare Gemüsesuppe kochen. Das Fleisch danach extra (im Druckkochtopf) weich kochen. Die Karotten, das Fleisch und die Petersilie hacken und alles sorgfältig vermischen.

Zubereitung

Danach das Schweineschmalz in einer Pfanne zerlassen. Die Zwiebeln fein hacken und dann im Schweineschmalz glasig anbraten. Dann mit dem Mehl stauben, ganz kurz durchrösten und mit etwa drei Vierteln der klaren Gemüsesuppe ablöschen.

Währenddessen ständig mit einem Schneebesen rühren, bis eine schöne, sämige Zwiebel-Béchamelsauce entstanden ist. Vom Herd ziehen, etwa ein Drittel in die Fleisch-Karotten-Petersilien-Füllung rühren (bis diese schön streichfähig ist) und beides zur Seite stellen.

Zubereitung

Für die Palatschinken zuerst die Eier trennen und das Eiweiß zu Schnee schlagen. Dann die Eidotter, die Milch, das Salz und das Mehl glatt rühren. Den Eischnee unterheben. Etwas Schweineschmalz zerlassen und die Palatschinken nach der Reihe herausbacken. Mit der Ragout-Fülle füllen, einrollen und in eine eingefettete, feuerfeste Form schlichten. Mit der übrigen Fülle einfach ein bisschen die Löcher zwischen den Palatschinken stopfen.

Sollte die Zwiebel-Béchamelsauce etwas zu sehr eindicken, einfach mit ein paar Löffeln der noch übrigen Suppe ein wenig verflüssigen. Dann über die Palatschinken gießen. Zuletzt etwa zehn Minuten bei 180°C Oberhitze überbacken, bis die Ragout-Palatschinken goldbraun geworden sind.

Fleischpalatschinken selber machen
Fleischpalatschinken Fuellung

Etwas grüner Salat mit schlichter Marinade rundet die Ragout-Palatschinken geschmacklich perfekt ab und macht die doch recht zünftige Mahlzeit im Nu etwas bekömmlicher!

Retro Rezepte
2 Comments
  • Klara

    25. Juli 2017 at 12:28 Antworten

    Wow! Das sieht verdammt lecker aus, muss ich unbedingt probieren 🙂

    • Katharina

      25. Juli 2017 at 12:34 Antworten

      Ja, unbedingt! Der Aufwand lohnt sich! 🙂

      Liebe Grüße
      Katharina

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